HISTORISCHER ÜERBLICK
Die Stiftung einer gewissen Bertha führte um 1110 zur Gründung der Kirche St. Johann. Reste einer halbrunden romanischen Apsis, die 1959/60 ausgegraben wurden, bestätigen das Alter der Kirche. Diese dürfte im Mittelalter Pfarrrechte gehabt haben, denn für die Zeit um 1220 ist uns der Pfarrer (plebanus) "Bernardus de sancto Johanne" bekannt. Unter ungeklärtern Umständen kam St. Johann später unter das Patronat des Stiftes Seitenstetten. Ab 1367 werden wiederholt Johannser Höfe als "in der Wolfspecker Pfarr gelegen" genannt. St. Johann war zu einer Filiale von Wolfsbach geworden. Trotzdem wurde zu dieser Zeit der heutige spätgotische Kirchenbau errichtet. Nach der Überwindung der Reformation entstand 1647 in St. Johann ein ständiges Vikariat, das ein Stiftsgeistlicher von Seitenstetten Betreute. Mit diesem Jahr beginnen auch die Matriken. Schließlich wurde St. Johann 1808 kirchenrechtlich zu einer selbstständigen Pfarre erhoben und bekam einen Pfarrhof ortsfesten Pfarrer, der in den 1805 erbauten Pfarrhof einziehen konnte. Von 1852-1971 war St. Johann auch eine eigenständige Gemeinde.
1960 wurde das Kircheninnere renoviert und modernisiert. Lydia Roppplt schuf das expressionistisch-naive Hochaltarbild, das in der Folge massiv abgelehnt wurde. Seit 2010 wurde in einer Pfarrpartnerschaft St. Johann gemeinsam mit Wolfsbach betreut.
Im Jahr 2016 erfuhr das Kircheninnere die letzte umfassende Restaurierung.
Nun gehört die Pfarre St. Johann seit 8. September 2024 dem Pfarrverband Seitenstetten an.
DER KIRCHENBAU
Das Äußere: Die Pfarrkirche ist ein kleiner spätgotischer Langhausbeu mit eingezogenem 5/8-Chor, Strebepfeilern und einem gedrungenen Westturm. Der Turm, den seit 1841 ein Haubendach mit kleinem Laternentürmchen bekrönt, erreicht eine Höhe von 23,83 m. Bei der letzten Außenrenovierung wurde 1996 die originale spätgotische Färbung wieder hergestellt und am Altarchor ein Spitzbogenfries mit stilisierten Lilien und Zweigen freigelegt. Vor dme versträbten spätgotischen Nordportal befindet sich ein kleiner Vorbeau, der mit 1779 datiert ist. Aus dieser Zeit dürfte auch die im Norden angebaute Sakristei stammen.
Der Innenraum: Das fast quadratische Langhaus ist zweischiffig und enthält ein schönes Netzrippengewölbe, das auf zwei Achteckpfeilern ruht. Der hintere Pfeiler ist in die spätbarocke, kreuzgratgewölbe Westempore eingebaut. Ein spitzer Triumphbogen öffnet sich zum zweijochigen Chor mit 5/8-Schluss, der ebenfalls netzrippengewölbt ist. Der Kirchenraum ist innen 20 m lang, 55 bis 9,3 m breit und 6,5 bis 7 m hoch.
RUNDGANG DURCH DIE KIRCHE
Den hellen und freudnlichen Innenraum dominiert das Wangemälde von Lydia Roppolt.
Die Künstlerin schrieb über ihr Bild: "In den spätgotischen Altarraum ist das Fresko wunderbar heineingfügt. Der gütige Blick und die hilflose Haltung des an das Kreuz gehefteten Christus bewegen uns tief. Das Haupt ist groß, mit in die tiefe gehendem Blick, allumfassend und sehr gütig. Gewaltig! Und doch ist er in großer Zartheit dargestellt. Mit den augebreiteten Armen will er die Menschen an sich ziehen. Ein tief inniges Bild. Maria, die Liebende, weinend und trauernd, dass Jesus das angetan wurde, fängt das Blut Christi, die Ströme des Lebens auf. Sie ist sehr innig auf dem Bild. Ganz feierlich, aber auch tief trauernd zeigt Johannes der Täufer mit dem finger auf Jesus: Er ist es, der uns erlöst. Das Gemälde ist schlicht und einfach ein Erlösungsbild. Denn schon kündet ein Blumenzweig oberhalb des Hauptes Christi die nahende Auferstehung, das ewige Ostern."
Rechts der Kreuzigung fällt ein Ölbild mit der seltenen Darstellung der Madonna im Ähernkleid (16./17. Jh.) auf. Dieses Bild befand sich ursprünglich in der Stiftskirche Seitenstetten, kam später in die dortige Spitalskapelle und 1960 nach St. Johann.
Altar, Ambo, Tabernakelstele und Fußteil des Taufbeckens bestehen aus St. Margarethener Sandstein. Der Volksalatar wurde 1973 aus dem Block des ehemaligen Hochaltars von 1960 geschaffen, für den Ambo setzte 2016 die Firma Wimmer in Haidershofen einen Entwurf von P. Martin Mayrhofer um.
Links vom Triumphbogen eine barocke Darstellung der Schmerzensmutter unter dem Kreuz aud der 1. Hälfte des 18. Jh. und rechts das ehemalige Hochaltarbild "Taufe Christi" (1792) vom Kremser (Johann Martin) Schmidt. Beide Kunstwerke wurden für diese Kirche geschaffen. Der in der 1. Hälfte des 19. Jh. entstandene Kreuzweg ist nachbarock und wurde in den 1970er-Jahren aus dem Kunsthandel für diese Kirche erworben.
Bei der Orgel handelt es sich um eine zweimanualige mechanische Schleifladenorgel, gebaut um 1960 von der Firma Rieger in Salzburg. 2016 adaptierte Orgelbauer Pieringer in Haag dieses Werk für die Kirche St. Johann.
UM DIE KRICHE
Beim Friedhofeingang zeigt das Kriegerdenkmal als 1962 von Kunibert Zinner geschaffener Reliefpfeiler Christus mit einem sterbenden Soldaten.
Die 1997 erbaute turmarteige Aufbahrungshalle enthält in ihrem Inneren das überlebensgroße Kruzifix, welches vor dem Vorhang stand, der in der Kirche das Altarfresko verdeckte. Es wurde 1962 aus dem Kunsthandel erworben und stammt aus der 1. Hälfte des 16. Jh.
GLOCKEN
Die Glocken in St. Johann in Engstetten wurden von der Firma Pfundner in Wien gegossen, kosteten 25.000 Schilling und erhielten am 18.12.1949 ihre Weihe von Abt Theodor Springer. Das Geläute der "Hannser Pfarrkirche" besteht seitdem aus folgenden Glocken:
Herz-Jesu-Glocke: Gewicht 604 kg, Durchmesser 99,5 cm, Ton G
Marienglocke: Gewicht 305 kg, Durchmesser 80 cm, Ton H
Johannesglocke: Gewicht 182 kg, Durchmesser 66 cm, Ton D
Leonhardiglocke: Gewicht 127 kg, Durchmesser 59,5 cm, Ton E
Barbaraglocke: Gewicht 71 kg, Durchmesser 50 cm, Ton As
(wurde vom Krieg verschont)